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Ursachen von Haarausfall – ein Überblick

veröffentlicht am 22 Dez., 2025
in den Kategorien: Grundlagen

Einleitung

Haarausfall hat viele mögliche Ursachen – und nicht jede ist sofort erkennbar. Entscheidend ist oft das Muster: ob Haare langsam über Jahre lichter werden, ob es plötzlich zu vermehrtem Ausfall kommt oder ob klar begrenzte Stellen entstehen. Dieser Artikel gibt einen sachlichen Überblick über häufige Auslöser und Ursachen, zeigt typische Hinweise zur Einordnung und nennt Warnzeichen, bei denen eine fachliche Abklärung sinnvoll ist. Vertiefungen zu einzelnen Formen, Diagnostik und Behandlung bleiben bewusst eigenen Artikeln vorbehalten.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Haarausfall ist ein Symptom; das Muster (diffus, scheitelbetont, umschrieben) hilft bei der Einordnung.
  • Häufig ist androgenetische Alopezie: langsame, über Jahre zunehmende Ausdünnung, oft genetisch bedingt.
  • Diffuser Haarausfall entsteht oft zeitverzögert nach Belastungen wie Krankheit, Operation, Stress oder starkem Gewichtsverlust.
  • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) zeigt meist klar begrenzte kahle Stellen und hat einen immunologischen Hintergrund.
  • Abklären ist sinnvoll bei plötzlichem starkem Beginn, kahlen Stellen, Entzündung/Juckreiz/Schmerzen der Kopfhaut oder Narbenverdacht.

 

Haarzyklus

Ein Haar durchläuft Wachstums-, Übergangs- und Ruhephasen. Weil viele Haare zeitgleich in die Ruhephase wechseln können, zeigt sich vermehrter Ausfall je nach Ursache oft erst nach einigen Wochen bis wenigen Monaten nach einem Auslöser. Darum ist für die Einordnung nicht nur „was ist heute“, sondern auch „was war vor einigen Wochen oder Monaten“ relevant.

 

Drei häufige Muster

Androgenetische Alopezie (erblich-hormonell)

Diese Form ist eine der häufigsten Ursachen für anhaltendes Ausdünnen der Haare. Typisch ist ein langsam fortschreitender Verlauf über Jahre: Bei Männern oft Geheimratsecken und Tonsur, bei Frauen eher eine Scheitelverbreiterung bei meist erhaltener vorderer Haarlinie. Häufig besteht eine familiäre Häufung; Entzündungszeichen der Kopfhaut stehen meist nicht im Vordergrund.

Diffuser Haarausfall (telogenes Effluvium)

Hier nimmt die Haardichte insgesamt ab, ohne klares Muster. Betroffene berichten oft von mehr Haaren beim Waschen oder Bürsten und einem insgesamt dünneren Eindruck. Auslöser können körperliche oder psychische Belastungen, akute Erkrankungen, Operationen, rascher Gewichtsverlust oder hormonelle Umstellungen sein; der Beginn ist häufig zeitlich verzögert. Diffuser Haarausfall kann vorübergehend sein, kann aber auch eine bereits bestehende androgenetische Alopezie sichtbarer machen.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Typisch sind klar begrenzte, runde oder ovale kahle Stellen bei ansonsten oft unauffälliger Kopfhaut. Die Ausprägung reicht von einzelnen Herden bis zu ausgedehnteren Formen; manchmal sind auch Augenbrauen oder Bart betroffen. Der Verlauf ist individuell unterschiedlich; die Ursache wird immunologisch eingeordnet, die genauen Ursachen sind jedoch unbekannt.

 

Mechanische und äussere Faktoren

Wiederholter Zug oder Druck auf Haarwurzeln kann zu Traktionsalopezie führen, besonders bei straff gebundenen Frisuren (z. B. enge Zöpfe, Dutt, straffer Pferdeschwanz) oder bei regelmässigem „Zurückziehen“ der Haare. Anfangs zeigt sich oft eine Ausdünnung am Haaransatz; bei langem Bestehen kann sie dauerhaft werden. Chemische Behandlungen und Hitze können zudem Haarbruch begünstigen und den Eindruck von „Haarausfall“ verstärken, ohne dass die Haarwurzel die Hauptrolle spielt.

 

Kopfhaut-Erkrankungen als Auslöser

Entzündliche oder infektiöse Kopfhautprobleme können Haarausfall oder Haarbruch begünstigen. Beispiele sind schuppig-entzündliche Erkrankungen (oft mit Juckreiz) oder Entzündungen der Haarfollikel. Bei Kindern sollte bei schuppiger Kopfhaut plus Haarverlust auch eine Pilzinfektion mitgedacht werden. In solchen Fällen steht nicht „das Haar“, sondern die zugrundeliegende Kopfhaut-Erkrankung im Zentrum.

 

Innere Ursachen und Mangelzustände

Einige innere Faktoren können mit Haarausfall zusammenhängen, etwa Schilddrüsenstörungen oder ein ungünstiger Eisenstatus. Die Evidenz ist je nach Thema unterschiedlich; nicht jeder Laborwert „erklärt“ Haarausfall automatisch. Entscheidend ist die Gesamtsituation (Muster, Begleitsymptome, Verlauf) und eine gezielte Abklärung durch Fachpersonen, statt pauschaler Selbstdiagnosen.

 

Medikamente und medizinische Behandlungen

Bestimmte Medikamente und Behandlungen können Haarausfall auslösen. Klassisch ist ein rascher Ausfall unter Chemotherapie. Daneben gibt es medikamenteninduzierten Haarausfall, der häufig diffus und nicht vernarbend ist; Mechanismen und Zeitverlauf variieren je nach Wirkstoff. Für die Einordnung ist der zeitliche Zusammenhang (Beginn nach Start oder Wechsel) zentral.

 

Narbenbildender Haarausfall

Narbenbildende (cicatriciale) Formen sind seltener, aber wichtig, weil Entzündung Haarfollikel dauerhaft schädigen kann und dann permanenter Haarverlust möglich ist. Hinweise können entzündete, schmerzhafte oder brennende Areale, deutliche Rötung, Schuppung oder „glatte“ Stellen mit fehlenden Follikelöffnungen sein. Bei Verdacht ist eine zeitnahe dermatologische Beurteilung relevant.

 

Wann abklären? (kurz)

  • Plötzlicher starker Beginn oder rasche Verschlechterung
  • Kahle Stellen oder klar umschriebene Herde
  • Entzündungszeichen der Kopfhaut (Schmerzen, Brennen, starker Juckreiz, Pusteln, Nässen)
  • Narbenverdacht oder glatte Areale ohne sichtbare Follikelöffnungen
  • Zusätzliche Allgemeinsymptome oder relevante neue Medikamente/Behandlungen

 

Fazit

Die häufigsten Ursachen lassen sich im Überblick über das Muster einordnen: langsam fortschreitendes Ausdünnen (häufig androgenetisch), zeitlich verzögertes diffuses Shedding nach Belastungen (oft telogenes Effluvium) oder umschriebene kahle Stellen (z. B. Alopecia areata). Mechanische Faktoren, Kopfhaut-Erkrankungen, innere Ursachen und Medikamente sind wichtige weitere Gruppen. Warnzeichen für entzündliche oder narbenbildende Formen sollten fachlich abgeklärt werden.

 

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Weitere Hinweise finden Sie im Haftungsauschluss.

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